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bonalifestyle-Ausgabe 2 | 2018

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LIFESTYLE HEDI KATHARINA

LIFESTYLE HEDI KATHARINA ERNST «Ich liebe den Prozess, ich liebe die Mythologie und die Symbolik», sagt Hedi K. Ernst über ihr Schaffen. ten zu arrangieren. Bei mir stehen die jungen Künstlerinnen und Künstler im Vordergrund und nicht die Politik. Aber mir ist natürlich sehr bewusst, welchen Zwängen Kunst in solchen Ländern unterworfen ist. Sind Sie denn glücklich, wieder in der Schweiz zu leben? Ja, es fühlt sich gut an. Ich freue mich, weiterhin internationale Aufträge ausführen zu dürfen und geniesse es, hier zu leben. Und zu wirken. Auch das ist sehr spannend und inspirierend für mich. Wir haben nun viel über Sie als starke Kunstdozentin gesprochen. Wie kamen Sie eigentlich zur Kunst? Vom Himmel gefallen ist Ihre Künstlerkarriere nicht. Wie fanden Sie die Energie und den Mut, Ihre Ausbildung fernab Ihrer Heimat in den USA zu absolvieren? Es kamen mehrere Faktoren zusammen. Ich war damals schon 30 Jahre alt, hatte in der Schweiz zuvor eine Berufsschule abgeschlossen und unterrichtete auch in diesem Fachgebiet. Dann war die Zeit reif. Mein damaliger Mann hatte ein mehrjähriges berufliches Engagement in den USA, und ich wollte ihn begleiten. Dabei habe ich beschlossen, mir meinen langersehnten Wunsch, an einer Kunstakademie zu studieren, zu erfüllen. Ich bekam einen Studienplatz am Chicago Art Institute. Das war bestimmt eine grosse Chance, als Schweizerin an dieser Universität aufgenommen zu werden? Es war auf jeden Fall nicht alltäglich. Und ich war unendlich glücklich, dass ich meinen Professor von mir, von meiner Leidenschaft und meinem Potenzial überzeugen konnte. Es bot sich die Chance, und ich packte sie. Wäre denn eine Ausbildung in der Schweiz nicht infrage gekommen? Natürlich hätte ich gerne in jungen Jahren die Ausbildung an der Kunstschule in Zürich gemacht. Meine Eltern stimmten dieser Berufswahl aber nicht zu. Sie wollten, dass ich zuerst einen «bodenständigen» Beruf lerne. Und so kam es, dass ich mich erst Jahre später in Chicago für das Studium einschrieb. Das war 1979. Dann folgten weitere Studien an Universitäten in den USA und in Italien, schliesslich graduierten Sie in San Francisco. Was für eine Karriere als Schweizerin in den USA! Ich habe all diese Schritte immer mit sehr viel Überzeugung, viel Engagement und Leidenschaft gemacht. Dass ich dann noch Professorin wurde, das war nicht geplant, hat aber unglaublich viel Spass gemacht und meine Persönlichkeit verstärkt geprägt. Ganz ohne Durchsetzungsvermögen kamen Sie aber bestimmt nicht aus? Ich hatte nicht im herkömmlichen Sinn den Ehrgeiz oder fixen Plan, diese oder jene Ziele zu erreichen. Ich habe einfach meine Arbeit immer geliebt und mich dafür und für meine Studenten eingesetzt. Und so habe ich wohl überzeugt. Was ist Ihnen denn grundsätzlich wichtig beim Vermitteln der Kunst? Ich will immer den Interessierten die Kunst näherbringen, die Kunst als etwas Fassbares präsentieren. Und wie sehen Sie sich als Künstlerin? Auch stark? 50 51 LIFESTYLE bona

Ich war und bin ein interessierter, ein neugieriger und zeitgeistiger Mensch. Ich muss immer wieder Neues entdecken, erfahren und umsetzen. Ich liebe den Prozess, ich liebe die Mythologie und die Symbolik. Gerne integriere ich diese Elemente, diese Erkenntnisse in meine Installationen. Die Ausstellung «Flora & Corpora» (Körper und Hülle) mit dem bekannten Floristen Karl-Heinz Ritter im Elektrizitätswerk Jona- Gelungene Symbiose zwischen vergänglicher Natur und beständigen Skulpturen. Rapperswil hat gezeigt, wie lebhaft und blühend Kunst sein kann. Ja, diese Kunst-Kooperation in diesem Jahr war sehr schön und im wahrsten Sinne des Wortes blühend. Unsere Objekte vereinten Vergänglichkeit und Beständigkeit. Karl-Heinz Ritters Blumenkunst verschmolz mit meinen Skulpturen und Bildern eindrücklich. Daraus wurden sehr aussagekräftige Kunstwerke. Nun haben Sie die Welt des 3-D-Druckers in Ihre Arbeit aufgenommen. Sie experimentieren, Sie haben Partner gefunden und erste grosse Objekte realisiert. Wie haben die jungen 3-D-Spezialisten auf Sie reagiert? Ja, das war in der Tat auch ein sehr spannender Prozess. Natürlich waren die Experten anfänglich zurückhaltend und haben wohl gedacht, was ich da wolle. Aber mittlerweile sind wir ein tolles Team, und jeder gibt sein Bestes. Wir sind von den Möglichkeiten sehr angetan und stehen erst am Anfang dieser neuen Technik. Sie sind auch als erfahrene Künstlerin immer noch an den neusten technischen Entwicklungen interessiert. Nie müde? Nein. Ich bin heute sehr entspannt und gehe meine Projekte ruhig und konzentriert an. Und ich bleibe nie stehen. Vor allem als Pädagogin und Mentorin will ich up to date bleiben. Es gab in meinem Leben auch Phasen, da hatte ich mit Umbrüchen, mit Veränderungen und mit Entscheidungen zu kämpfen. Aber die Kunst, die Leidenschaft und meine Neugier haben mich immer weitergebracht. Wo ich jetzt bin, geht es mir sehr gut.