Aufrufe
vor 11 Monaten

bonalifestyle-Ausgabe 2 | 2018

  • Text
  • Lifestyle
  • Bona
  • Schweizer
  • Kunst
  • Zeit
  • Zaugg
  • Shanghai
  • Schweiz
  • Peninsula
  • Niyama

FOOD BEWUSST GENIESSEN

FOOD BEWUSST GENIESSEN wind der neuen Arbeitskultur – aufgeholt und setzt an, das eine oder andere Restaurant in Sachen Qualität, Kreativität, Design und Service zu übertreffen. Unternehmen sollten sich der Bedeutung von Kantinen, Cafeterias oder Snackpoints zur Förderung der Produktivität und Erhöhung der Motivation bewusst sein. Die Betriebskantine ist das perfekte Schaufenster, um einen Einblick in die Unternehmenskultur und in die Wertschätzung der Mitarbeitenden zu bekommen. Und wäre für die Gesundheit immens wichtig. Reto Kälin, Teamleiter Partner Relations bei Gesundheitsförderung Schweiz, präsentiert eindrückliche Zahlen: «Rund ein Viertel der Schweizer Erwerbstätigen fühlt sich ziemlich oder sehr erschöpft, 46 Prozent verfügen über ein fragiles Gleichgewicht von Ressourcen und Belastung, und 43 Prozent der IV-Neurenten sind auf die Folgen einer psychischen Erkrankung zurückzuführen.» Daraus resultieren für die Arbeitgebenden Kosten von 5,7 Milliarden Franken pro Jahr. «Arbeitgebende sollten Möglichkeiten schaffen, damit ihre Mitarbeitenden Ressourcen entwickeln können, um ihre Gesundheit zu erhalten und zu fördern», erläutert Kälin weiter. Folgende Massnahmen im Bereich Ernährung seien hilfreich: genügend Zeit zum Essen, Ernährungstrainings bei der Arbeit und mögliche Rückzugsorte. Mitarbeitende seien durch gesundheitsförderliche Massnahmen weniger gestresst und zufriedener. Unternehmen profitieren zeitgleich von einer tieferen Fluktuation, weniger Absenzen und einer Produktivitätssteigerung. Prof. Dr. Andreas Krause, Professor und Dozent für Angewandte Psychologie bei der FHNW Olten, und Ronia Schiftan, Fachverantwortung Psychologie und Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE, betonen, dass «verschiedene Stressoren die Arbeitnehmenden beanspruchen, belasten und einen direkten Einfluss auf unser Essverhalten haben», führte Schiftan aus. «Daher ist es auch essenziell, das Thema Ernährung einzubeziehen.» Grosses Potenzial sehen Krause und Schiftan in einer Förderung der gemeinsamen Esskultur. Nahezu jeder Erwachsene Schweizer konsumiert heute eine Mahlzeit auswärts: «eating on the go». Auch der schnelle Genuss, Essen zwischendurch, das sogenannte «Snacking» ist alltäglich. Prof. Dr. Christine Brombach, seit 2009 am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil, sagt, dass soziale und wirtschaftliche Veränderungen zu einer Zunah- 16 17 LIFESTYLE bona

me des «Snacking» und «eating on the go» geführt haben. Zu den gesundheitlichen Folgen dieser Entwicklung ist die Studienlage sehr kontrovers. «Generell gibt es keinen Konsens in der Literatur, dass ‹Snacking› zu Adipositas führen muss. Wohl aber, dass insgesamt eine zu hohe Energiezufuhr gekoppelt mit einem wenig bewegten Lebensstil Übergewichtsentwicklung fördert», erläuterte Brombach. Eine ganz andere Dimension des Essens untersucht Prof. Dr. Michael Siegrist vom Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich. Er zeigt auf, dass Essen für 20 bis 30 Prozent der Gesamtumweltbelastung verantwortlich ist. Damit haben die Entscheidungen von Konsumenten direkte Auswirkungen auf die Umwelt. Wie man diese Entscheidungen steuern kann, erläuterte er Anhand einer Untersuchung, die in der Mensa der ETH Zürich durchgeführt wurde. Mithilfe von Nudging (Verhalten der Menschen auf vorhersagbare Weise beeinflussen) und Priming (Verhalten der Menschen durch einen vorangehenden Reiz beeinflussen) konnte der Absatz von klimafreundlichen Menüs um über 10 Prozent gesteigert werden. «Diverse Beeinflussungsstrategien werden in der Gastronomie bereits heute genutzt. Man kann Nudging und Priming auch dazu benutzen, damit sich Mitarbeitende gesünder und nachhaltiger ernähren», erklärte Siegrist. Grosse Anstrengungen, die Bevölkerung rund um das Thema Abfallreduktion zu informieren und zu schulen, unternimmt der Verein ZeroWaste Switzerland. Das Ziel des Vereins ist die Sensibilisierung und Begleitung der Bevölkerung zur nachhaltigen Abfallreduktion. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere: die Abfallproblematik bekannt zu machen, nachhaltige Verhaltensänderungen zu motivieren und eine aktive Mitwirkung der Interessengruppen zu unterstützen sowie die Einführung einer Gesetzgebung und Reglementierung zur Reduzierung der Abfallproduktion in der Schweiz zu fördern. «Plastikverpackungen helfen, Lebensmittel länger frisch zu halten. Sie sind deswegen wichtig, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken.» Mit diesem Argument begründen Detailhändler und Produzenten ihre Vorliebe für Plastikverpackungen. Eine Studie von «Zero Waste Europe» und «Friends of the Earth Europe» zeigt jetzt klar: So einfach ist das nicht. In der EU ist die Menge an Foodwaste gemeinsam mit den Plastikverpackungen angestiegen – beides um rund 50 Prozent im Zeitraum von 2004 bis 2014. Und nicht nur das: In einigen Fällen führt die Plastikverpackung sogar zu mehr verschwendeten Lebensmitteln. 37 Prozent der verkauften Lebensmittel in der EU sind in Plastik verpackt. Es ist damit das häufigste Verpackungsmaterial. Natural Branding könnte eine Lösung sein: Mit der Laserbeschriftung von Obst und Gemüse werden diese Produkte direkt beschriftet und brauchen daher keine zusätzliche Verpackung mehr. Denn fixe Verpackungsgrössen führen manchmal sogar zu mehr Foodwaste. Lebensmittelverschwendung kostet die EU jährlich 143 Billionen Euro. 173 kg Lebensmittel wirft der durchschnittliche EU-Bürger pro Jahr weg. Pikantes Detail: In England wird mehr als ein Viertel der Lebensmittel noch in der Originalverpackung weggeworfen. Wer über diese Zahlen staunt, den werden die Zahlen aus der Schweiz schockieren: 290 kg an Lebensmitteln werden in der Schweiz pro Person verschwendet. Ein Drittel davon fällt in den Haushalten an. Foodwaste sind Lebensmittel, die weggeworfen werden, obwohl sie für den menschlichen Konsum produziert sind. Nicht essbare Teile, z.B. Knochen sind also kein Foodwaste. Genauso wenig wie Nahrungsmittel, die für Biotreibstoff oder als Tierfutter verwendet werden. Nützliches www.zerowasteswitzerland.ch www.foodwaste.ch www.unverpackt.ch Too good to go Auf dieser Plattform werden Restaurants angehalten, weniger Lebensmittel wegzuwerfen, indem überproduzierte Lebensmittel und Speisen via App zu einem reduzierten Preis verkauft werden.